29.01.2015

Umzugsrevue: Von Zürich nach Berlin

Mich hat es nun endgültig von Zürich nach Berlin gezogen - hier wohne und lebe ich nun. Wie bei jedem Umzug und hier besonders durch den Fakt, dass ich von der Schweiz nach Deutschland ausgewandert bin, gab es so einiges zu beachten. Weil meiner Meinung nach nicht wirklich ausgeschildert ist, was nun alles gemacht werden muss hier einige Dinge:

In der Schweiz

  • Abmelden: In Zürich funktioniert das Abmelden in Richtung Ausland nur im Stadthaus. Ich würde dem Stadthaus frühzeitig (so zwei Wochen vor dem Abreisetermin) einmal besuchen, dann ist das Ganze nicht so stressig. Weiter muss eine Korrespondenzadresse in der Schweiz angegeben werden. Die Abmeldung läuft dort dann über vier Stationen:
  • Abmeldung 'anmelden'. Hier wird die zuküntfige Adresse abgefragt.
  • Weiter geht’s in der Steuerabteilung. Dort werden noch nicht erledigte Steuererklärungen erstellt. Hierfür sollten sämtliche Lohnausweise, etc. mitgenommen werden. Alternativ wird eine provisorische Steuererklärung erstellt und dann darf man die Steuererklärung selbst machen.
  • Nun muss die (provisorische) Steuererklärung bezahlt werden. Bar am Schalter (ansonsten muss man mit dem Beleg wiederkommen...). Hier erhält man nun eine Bezahlbestätigung.
  • Wieder am ersten Schalter angelagt wird die Abmeldung ins Ausland nun abgeschlossen. Man erhält seinen Geburtsschein, welcher dann der Schweizer Botschaft in Deutschland gegeben werden sollte.
  • Krankenkasse(n) künden: (am besten mit einem überschneidenden Monat; meine läuft also noch bis Ende Februar). Dies funktioniert nur mit einer Kopie der Abmeldung ins Ausland.
  • Andere Versicherungen künden: (was auch immer, wie auch immer, wrum auch immer).
  • Nur für Männer: Sich beim Militär abmelden: Hierfür gibt es ein tolles Online Formular, welches irgendwelchen SAP Kram ausführt und schrecklich zu bedienen ist (Funktionierte bei mir interessanterweise nicht mit Chrome Dev, dafür jedoch mit Firefox inklusive NoScript und AdBlock und alles durch Tor o.O). Alternativ gibt es das Ding zum ausdrucken. Update: Am Ende stellt sich heraus, dass sich die Herren beim Militär natürlich nicht lumpen lassen und einem gleich für die nächsten (drei?) Jahre die Wehrpflichtsersatzabgabe einziehen. Das macht dann je nach Einkommen gut und gerne eine hübsche vierstellige Summe...

In Deutschland angekommen

  • In Deutschland anmelden: Hierfür ein Bürgeramt aus dem neuen Viertel suchen. Termine können online oder gleich vor Ort (hat bei mir super funktioniert) vereinbart werden. Dann ist der zeitliche Aufwand gering. Mitgebracht werden muss ein Pass/Identitätskarte und ein ausgefülltes Formular, welchen man in die Hand gedrückt bekommt, wenn man vor Ort einen Termin vereinbart. Hier erhält man eine Medlebestätigung.
  • Achtung: Der Vermieter (egal ob Hauptmieter, Hausbesitzer, whatever) muss entweder auf dem Formular unterschreiben oder ein Schreiben liefern, dass man da effektiv wohnt. Der Mietvertrag reicht hier leider nicht.
  • Ausländeramt: (nicht obligatorisch). Auf dem Ausländeramt kann man eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis für Deutschland erhalten. Dies ist jedoch dank den Schengen-Abkommen total überflüssig und wir nur benötigt, wenn der Arbeitsgeber o.Ä. auf eine solche besteht. Hierfür ist ein Besuch beim Ausländeramt vonnöten. Gerüchten zufolge kann dies einige Wartezeit und Geduld vor Ort bedeuten...
  • Krankenkasse: Eine beliebige Krankenkasse heraussuchen und ein Beitrittsformular ausfüllen. Bis die Unterlagen der Krankenkasse im Briefkasten liegen können gut zwei Wochen vergehen.
  • Sozialversicherungsnummer: Grundsätzlich beantragt die Krankenkasse eine Sozialversicherungsnummer für einen, der Vorgang kann jedoch beschläunigt werden, indem man direkt zur Deutschen Rentenversicherung geht und sich eine solche Nummer erstellen lässt. In Berlin funktioniert dies jedoch nur in der Filiale am Fehrbelliner Platz. Dort erhält man am Schnellschalter eine solche Nummer (kurze Wartezeit). Den Sozialversicherungsausweis, von welchem der Arbeitsgeber eine Kopie benötigt kommt dann via Post. Dies dauert gut 10 Tage. Für die Beantragung wird eine aktuelle Meldebestätigung (nicht älter als 6 Monate) benötigt.
  • Steuernummer: Die Steuernummer wird ebenfalls vom Arbeitsgeber benötigt und sollte automatisch durch die Anmeldung generiert werden. Die wird einem dann irgendwann (Frist ist wohl vier Wochen) zugestellt. Sollte dies nicht geschehen kann diese beantragt werden. Dies funktioniert jedoch auch nur per Post. Am Telefon oder via Mail scheint diese Nummer nicht herausgegeben werden.
  • Anmeldung bei der Schweizer Botschaft: Dies kann entweder durch einen Besuch vor Ort oder durch das zustellen von Geburtsschein und Pass per Post erledigt werden. Für beides muss ein Formular ausgefüllt werden. Informationen gibt die Homepage.
  • Bankkonto: In Deutschland gibt es reine Online Banken. Dort ist Kontoführung, etc. bedeutend lukrativer als bei 'normalen' Banken. Das Einrichten eines Kontos ist einfach etwas komplizierter als gewohnt. Hierfür wird ebenfalls eine aktuelle Medlebestätigung (Alternativen sind Stromrechungen oder so, muss halt irgendwo die Adresse draufstehen) benötigt. Update: Es stellt sich heraus, dass es als frisch zugezogener nicht ganz so einfach ist an solch ein Konto zu kommen. Die Banken können einen ablehnen. “Normale” Banken müssen (?) einen dafür aufnehmen. Nicht wirklich schlimm, dort werden jedoch oft monatliche Kontoführgebühren verlangt.

Das dürfte das wichtigste sein. Das alles verbrennt ziemlich viel Zeit und nerven - obwohl ich ehrlich gesagt mit schlimmerem gerechnet habe. Es dauert halt einfach alles - wie bei Bürokratie gewohnt - unglaublich lange. Wer direkt mit der Arbeit beginnen will sollte dem Arbeitsgeber am besten frühzeitig durchgeben, dass gewisse Dinge die dieser wissen/haben muss etwas länger dauern könnten.

Als nicht-deutscher wird es immer wieder interessant, wenn jemand zur Adresskontrolle der Personalausweis einsehen möchte. Die aktuelle Meldeadresse steht da nämlich drinnen. Da die Meldeadresse im Schweizer Reisepass wie auch auf der Identitätskarte nicht ersichtlich ist, muss manchmel dann die Meldebestätigung oder eben eine Stromrechnung hinhalten.

Mal schauen was in Zukunft noch alles auf mich zukommt. Ich freue mich auf jeden Fall darauf.